Concerti per l'organo – Orgelkonzerte

Haydns Orgelwerke

Zeit seines Lebens war Joseph Haydn immer wieder als Kirchenmusiker tätig. Der kirchenmusikalischen Praxis im süddeutsch-österreichischen Raum entsprechend gab es wenig Platz für reines Orgelspiel. Kurze Präludien und Fugen wurden improvisiert und nur selten notiert. Überliefert sind nur Werke für »organo concertato« oder »organo obbligato«, also Werke mit solistisch hervortretender Orgel. Neben den hier eingespielten Konzerten finden sich solche Parts u.a. in den beiden »Orgelsolomessen«, der »Schöpfungsmesse«, der »Nelsonmesse« und dem »Salve Regina«. Als Beispiel für eine typische Fuge dieser Zeit kann das für Orgelwalze (Flötenuhr) konzipierte Stück Hob. XIX:16 dienen (CD 1, Track 8). Dies führt auch gleich zu weiteren »Orgelwerken« Haydns: »Flötenuhren« – auch »Laufwerke« genannt, die um 1780 in verschiedenster Ausführung im Fürstlich Esterhazyschen Schloss Eszterháza vorhanden waren, so z.B. »eine bronzene vergoldete Stockuhr, welche die Flöte spielt«, »ein Spinnrad, das, indem es gedreht wird, musikalische Stücke spielt« oder »ein Armsessel, der, wann man sich darauf setzt, ein Stück im Flötentone spielt«. Der Esterhazysche Bibliothekar und Kaplan Joseph Niemecz war bekannt als begnadeter Flötenuhrbauer. Dessen Uhrwerke hatten im Regelfall je nach Größe ein 4-Fuß Flötenregister mit 16, 23 oder sogar (bis zu) 30 Tönen Umfang. Nicht alle Werke, die auf den bis heute erhaltenen Flötenuhren Haydn zugeschrieben werden, sind auch wirklich aus seiner Feder. Eine Reihe von Autographen dokumentiert aber Haydns ernsthafte Beschäftigung mit dieser Gattung.