Concerti per l'organo – Orgelkonzerte

Die Orgelkonzerte im Detail

Concerto per l’organo ex C
Hob. XVIII:1
Konzert für Orgel und Orchester, C-Dur
Moderato – Largo – Allegro molto

 

Concerto per l’organo ex D
Hob. XVIII:2
Konzert für Orgel und Orchester, D-Dur
Allegro moderato – Adagio molto – Allegro

 

Concerto per l’organo, due violini e Basso ex C
Hob. XVIII:5

Konzert für Orgel, zwei Violinen und Bass, C-Dur
Allegro moderato – Andante – Allegro

 

Concerto per violino ed organo ex F
Hob. XVIII:6

Konzert für Violine, Orgel und Orchester, F-Dur
Allegro moderato (Kadenz: Sächsische Landesbibliothek Dresden, Mus. 3356/O/16a) – Largo (Kadenz: Sächsische Landesbibliothek Dresden, Mus. 3356/O/16a) – Finale Presto

 

Concerto per l’organo ex F
Hob. XVIII: 7 (Trio Hob. XV:40)

Konzert für Orgel, zwei Violinen und Bass, F-Dur
Moderato – Adagio – Allegro

 

Concerto per l’organo, due violini e Basso,
due Clarini et Timpani ad libitum ex C Hob. XVIII:8

Konzert für Orgel, zwei Violinen und Bass, zwei Trompeten und Pauken ad libitum, C-Dur
Moderato (Allegro moderato) – Adagio – Finale Allegro

 

Concerto per l’organo ex C
Hob. XVIII:10

Konzert für Orgel, zwei Violinen und Bass, C-Dur
[Moderato] – Adagio – Allegro


Leider ist nur ein einziges Orgelkonzert im Autograph überliefert (Hob. XVIII:1). Haydn führte dieses in seinem Entwurfkatalog an, den er aus Anlass einer eifersüchtigen Bemerkung seines Vorgängers, Gregor Joseph Werner, schon um 1766 in Eisenstadt verfasst hatte, dazu zwei weitere Konzerte in C. Die anderen Konzerte sind in diversen Abschriften, auch mit der Bezeichnung »per il Clavicembalo«, überliefert. Der eingeschränkte Tonumfang der süddeutsch-österreichischen Orgeln gibt einen wesentlichen Anhaltspunkt dafür, welche Konzerte primär für die Orgel bestimmt waren. Soweit die Realisierung auf der Orgel möglich war, kann man davon ausgehen, dass die »Clavierkonzerte« in barocker Manier je nach Anlass auf dem einen oder anderen Instrument gespielt wurden.
Von zweifelhafter Echtheit ist das im Hoboken-Werkverzeichnis XVIII:7 angeführte Konzert in F-Dur. Es ist dies die zeitgenössische (von Haydn selbst vorgenommene?) Bearbeitung des Klaviertrios Hob.XV: 40. Die Ecksätze des Trios wurden erweitert und das Menuett durch ein Adagio ersetzt. Der Solopart wurde für den Tonumfang der Orgel adaptiert.

 

Allen Konzerten gemeinsam ist die klassische dreisätzige Form. Die großen Konzerte Hob. XVIII:1, 2 verlangen auf jeden Fall eine mehrfache Streicherbesetzung. Wie Haydn selbst im Brief zur Applaususkantate fordert, sollen »ihrer zwey die Viola« spielen, da er in seinen Kompositionen Wert auf die Mittelstimmen lege. Die Partitur des Konzertes Nr. 1 weist neben den zwei Oboen auch zwei Clarini (ohne Pauken!) auf, diese Zeilen sind aber leer geblieben. Wir haben uns entschlossen, für die Aufnahme einen aus dem mährischen Kremsier überlieferten Stimmensatz heranzuziehen.
Das Konzert für Violine, Orgel und Streicher Hob. XVIII:6 ist das einzige Doppelkonzert aus Haydns Feder. Die Legende sagt, dass er es für die Einkleidung der von ihm verehrten Therese Keller geschrieben hat, die in das Klarissenkloster eingetreten war. Der zeitgenössischen Praxis entsprechend war es selbstverständlich, dass die Solovioline aus dem Tutti hervortritt.
Die – kleineren – Konzerte Hob. XVIII:5, 8 und 10, welche von ihrer Art dem Divertimento näher sind, erklingen im einfach besetzten, so genannten Wiener Kirchentrio, also mit zwei Violinen und Violone. Von einigen Konzerten existieren je nach Abschrift Stimmen ad libitum zum Beispiel für Oboen, Hörner oder Trompeten und Pauke. Um diese Art der »Anreicherung« im Stil der »solemnen« österreichischen Kirchenmusik zu dokumentieren, haben wir für das Konzert Nr. 8 die in Berlin erhaltenen – durchaus qualitätsvollen – Stimmen verwendet. Die Wiener Orgeln des 18. Jahrhunderts waren wie die für die Aufnahme verwendeten durchwegs in mitteltönigen Systemen gestimmt, wodurch die harmonischen Spannungen in den kühnen Modulationen besonders gut zur Geltung kommen.