Concerti per l'organo – Orgelkonzerte

Haydns Orgeln

Welche Instrumente standen Haydn zur Verfügung? Welches Klangbild beeinflusste ihn, als er die Orgelkonzerte schrieb? In der Klosterkirche der Barmherzigen Brüder in der Taborstraße stand eine vom Wiener Orgelbauer Johann Hencke 1736 erbaute zweimanualige Orgel mit kurzer Oktav und 20 Registern. Der Tonumfang im Manual erstreckte sich bis c’’’: Diese Orgel wurde 1763 in die Leopoldauer Pfarrkirche Maria im Elend transferiert und im Lauf der Jahrhunderte leider nachhaltig verändert. Ein fast unverändert erhaltenes, ähnliches Orgelwerk von Hencke ist jedoch in der Wallfahrtskirche Maria Kirchbüchl im Süden Wiens aufzufinden. Das Instrument ist ein hervorragendes Beispiel für den süddeutsch-österreichischen Orgelbau um 1750 und ermöglicht, Haydns Musik für Orgel im Originalklang wiederzugeben.


Zu den Orgeln in den Haugwitzschen Kapellen sind keine näheren Details überliefert, umstritten ist auch, an welcher Kapelle Haydn Dienst versah: Graf Friedrich Wilhelm Haugwitz, einer der mächtigsten Minister Maria Theresias, besaß ein Sommerpalais in der Josefstadt, zu dem eine heute nicht mehr bestehende St.-Anna-Kapelle gehörte. Dort fanden ab 1759 regelmäßige Gottesdienste statt. Aber auch der Amtssitz des Grafen Haugwitz im Directorialpalais in der Wipplingerstraße (vormals Böhmische Hofkanzlei, heute Sitz des Verfassungsgerichtshofes) wies eine Kapelle auf, die Anfang 1756 – mit einer Stiftung der Kaiserin versehen – als Theresienkapelle eingeweiht wurde. Ob der rasch per Fuß zurücklegbare Weg von der Theresienkapelle zum Stephansdom eher für letztere Annahme spricht, mag offen bleiben.
Schon aufgrund des knappen Raumangebotes kommen als Instrumente nur einmanualige Hochpositive in Frage. Ein historisches Beispiel dafür findet sich bis heute in der gotischen St.Salvatorkapelle im Alten Rathaus gegenüber der Haugwitzschen Theresienkapelle in der Wipplingerstraße, die ebenfalls für diese Einspielung herangezogen wurde.

 

Für das kirchenmusikalische Wirken Haydns in Eisenstadt sind auch heute noch mehrere Instrumente klingende Zeugen, jedoch zumeist in deutlich veränderter Form. Das heute als »Haydn-Orgel« bekannte Instrument von Johann Gottfried Malleck in der Bergkirche wurde im 20.Jahrhundert um ein drittes Manual erweitert. Der originale Spieltisch ist im Eisenstädter Haydn-Haus zu begutachten. Für unsere Einspielung wurden ausschließlich Register verwendet, die schon zu Haydns Zeit vorhanden waren und so eine klangliche historische Spurensuche ermöglichen.