Concerti per l'organo – Orgelkonzerte

Haydn als Kirchenmusiker und Organist

»Haydn wurde auch in dieser Periode für jährliche sechszig Gulden Vorspieler bey den barmherzigen Brüdern in der Leopoldstadt. Hier mußte er an Sonn- und Feyertagen um acht Uhr Morgens in der Kirche seyn, um zehn Uhr spielte er die Orgel in der damaligen Gräfl. Haugwitzischen Kapelle, und um eilf Uhr sang er in der Stephanskirche. Jeder Gottesdienst wurde ihm mit siebenzehn Kreutzern bezahlt.«
Georg August Griesinger, Biographische Notizen über Haydn, Leipzig, 1810, 17

 

Joseph Haydn war nach der Entlassung aus dem Kapellhaus von St. Stephan, wo er bis zum Stimmbruch Sängerknabe gewesen war, völlig auf sich gestellt. Er wohnte zunächst in einer Dachstube des Hauses nächst der Michaelerkirche und verdiente seinen Lebensunterhalt durch vielerlei Tätigkeiten, durch Unterricht und Korrepetition (u.a. für Schülerinnen von Nicola Porpora) genauso wie als Vorgeiger, Organist und Chorsänger. Dokumentiert ist seine Mitwirkung bei Hofbällen und bei Gottesdiensten der Hofmusikkapelle in den Jahren 1754 bis 1756 sowie seine Tätigkeit bei den Barmherzigen Brüdern in der Taborstraße ab 1756. Die Intention der Haydnschen Orgelkonzerte, die alle dieser Schaffensperiode zugeordnet werden können, ist dadurch aber belegt: Genauso wie Mozarts Kirchensonaten sind diese Werke für den Gottesdienst komponiert, um an Stelle von Graduale oder Offertorium zu erklingen.