Medienclippings
Rezensionen zu »Concerti per l’organo«
… Anton Holzapfel (Orgel), Susanne Scholz (Violine) und das von Florian Wieninger (Violone) geleitete Barockensemble dolce risonanza aus Wien gehören zu einer jüngeren Generation von Barockinterpreten, die man sich – angesichts dieser subtilen Einspielung – merken sollte, denn die Musiker können durch das Ergebnis ihrer Suche nach einem möglichst authentischen Klang und durch ihr auf geschmackvolle Balance und Schönheit hervorragend ausgerichtetes Spiel mehr als überzeugen.
Alles dient dem gemeinsamen »süßen Klang«, selbst Pauken und Trompeten donnern kein einziges Violin-Motiv nieder, sondern sind – bei Beibehaltung ihrer höfischen Aura – präsent, ohne das kammermusikalische Gleichgewicht zu stören.
Arno Lücker, kulturradio (www.kulturradio.de)
… Man hat sich also viele Mühen gemacht, um die sieben Orgelkonzerte und die Flötenuhren 1789 und 1792 aufzunehmen. Pikant ist natürlich jetzt der Vergleich mit Lorenzo Ghielmis Einspielung, der nahe liegt, ja sich geradezu aufdrängt. Und, was soll ich sagen, die Österreicher schneiden hier gar nicht schlecht ab. Auch hier wird famos musiziert. Und Anton Holzapfel lässt gewiss nichts auf der Orgel anbrennen, um es einmal salopp zu sagen.
Klar, dass diese Einspielung auch das Zeug zur CD des Monats hätte. Es ist die merkwürdige Konjunktion, die in diesem Heft eine derartig große Fülle an hervorragenden Interpretationen nicht mit Gold belohnt. Das jedenfalls ist viel versprechende und köstliche Musik; um dieses Ensemble braucht man sich nicht zu sorgen.
Robert Strobl, Toccata 40 (März/April 2009)
Ein Instrument und seine vielen Gestalten
... gleich drei historische Instrumente aus dem 18. Jahrhundert, darunter die sogenannte »Haydn-Orgel« in der Bergkirche Eisenstadt, erklingen in einer Neueinspielung von Joseph Haydns Orgelkonzerten. Die Stücke, die allesamt aus den 1750er Jahren stammen, sind zwar noch weit vom reifen Stil Haydns entfernt und wollen gar nicht verbergen, dass die dem Komponisten als anlassbezogene Arbeiten recht rasch von der Hand gingen. Sie werden aber von Anton Holzapfel und dem Ensemble dolce risonanza auf Originalinstrumenten leichtfüssig und duftig interpretiert, wobei nur solche Register verwendet wurden, die in den Instrumenten schon zu Haydns Zeit und vor verschiedenen Umbauten vorhanden waren.
Neue Zürcher Zeitung (3. April 2009, Nr. 78, S. 43)
Konzertante Orgel-Lieblichkeiten
… Die ersten beiden Konzerte sind größer besetzt (mit Oboen, Trompeten), die anderen für »Kirchentrio«, also zwei Geigen und Violone. Die Nummer sechs nimmt eine Sonderstellung ein, denn das ist ein Doppelkonzert für Violine und Orgel – und nicht nur sein ausufernder, neun Minuten langer, ausdruckstiefer Largo-Satz erreicht beeindruckende Intensität.
Auch der ganz junge Haydn war erfindungsreich (in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts natürlich noch keineswegs »experimentell« angehaucht wie dann als Eszertázyscher Kapellmeister. Es lohnt also – wie Anton Holzapfel und die Musiker des Originalklangensembles dolce risonanza mit durchwegs moderaten Tempi, dafür genau ausgearbeiteten Dialogen vorführen – die Beschäftigung. … Anton Holzapfel spielt auf drei Orgeln, in denen sich noch originale Stimmen aus der Haydn-Zeit erhalten haben, und er war bedacht, wirklich nur diese zu verwenden. Bordone und Copel hießen damals die Grundstimmen, eine Oktave höher klingen die Flöten und Spitzflöten. Gut ins Klangbild passen die sparsam in solistischen Passagen eingesetzten, zarten Aliquotstimmen. Ins Flötenregister der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Kirchbüchl (in Höflein an der Hohen Wand) im Süden von Wien könnte man sich doch glatt verlieben – auf diesem Register spielt Holzapfel zur Auflockerung einige Flötenuhrstücke aus dem Jahr 1792 – was auch aufmerken lässt, weil das eben Miniaturen des reifen Haydn sind.
Reinhard Kriechbaum, Concerto (Februar/März 2009)
Wer dieses Haydn-Jahr (sein Todestag jährt sich am 31. Mai zum 200. Mal) nutzen möchte, um unbekanntere Seiten des Wiener Klassikers kennenzulernen, dem sei ein Doppelalbum mit dem schlichten Titel »Joseph Haydn: Concerti per l’organo« empfohlen. Der Organist Anton Holzapfel musiziert mit dem jungen Wiener Ensemble dolce risonanza unter der Leitung des Violone-Spielers und Dirigenten Florian Wieninger.
Hinter diesem gemeinsamen Projekt steckt viel wissenschaftliche Vorarbeit, was Aufführungspraxis, Instrumentenwahl, Quellenstudium usw. angeht. So wurde zum Beispiel in der Kirche Maria Kirchbüchl in Niederösterreich aufgenommen, dort steht eine Orgel von Johann Hencke aus 1750, die im Laufe der Jahrhunderte nicht vergrößert oder verändert worden ist. Eine Orgel, auf der also vielleicht schon Haydn selbst gespielt hat.
Doch das eigentlich Entscheidende ist, dass die MusikerInnen Ihr historisches Hintergrundwissen dazu nutzen, diese Haydn-Konzerte unerhört lebendig und farbig zu interpretieren. Kein Körnchen Staub bleibt hier auf dem Notentext liegen, ein junger, mitreißender Haydn.
Elke Tschaikner, Perspektive (3-09)
Wenn Anton Holzapfel eine Sache in die Hand nimmt, dann kommt etwas Besonderes dabei heraus. … Als Beweis wäre etwa seine jüngste CD-Veröffentlichung ins Treffen zu führen, für die er mit dem Ensemble dolce risonanza pünktlich zum Haydn-Jahr Orgelkonzerte und Werke für die Flötenuhr von Joseph Haydn eingespielt hat. Das Besondere daran? Er hat im Vorfeld durch die wohl als detektivisch zu bezeichnende Suche geeignete Orgeln ausfindig gemacht und akribische Forschungen betrieben, hat gemeinsam mit Florian Wieninger, dem Ensembleleiter, an der Besetzung der begleitenden Instrumente getüftelt. Und: Die Aufnahme überzeugt nicht allein musikalisch (was ja letztlich ausschlaggebend ist), sie ist zugleich auch optisch äußerst reizvoll und durchdacht gestaltet.
Ulrike Lampert, Musikfreunde – Zeitschrift der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Mai/Juni 2009)
The Organ Concertos (Hob XVII:1, 2, 5, 6, 7, 8, and 10) are played by Anton Holzapfel, with Ensemble dolce risonanza (an aptly named period-instruments ensemble) led by Florian Wieninger. The trumpets and drums of two C-Major concertos ring out gloriously in the extremely live acoustics of churches in Vienna and Eisenstadt. All the performances are excellent. Filling out these two CDs are the Double Concerto for Violin and Organ, Hob XVII:6, with Susanne Scholz joining the performers, and — a special delight — 13 brief pieces for flute-clock (Hob XIX), played by Holzapfel with convincing flute and wind stops.
Konzertkritiken
Musikverein: Von Orgelklavieren und Nagelgeigen
Sind denn die Schatzkammern des Wiener Musikvereins unerschöpflich? Fast scheint es so: Heuer schon zum achten Mal präsentiert Archivdirektor Otto Biba im Zyklus »Nun klingen sie wieder« Kostbarkeiten historischer Instrumente; darunter Streichinstrumente aus dem 18. Jahrhundert, aber auch das Arpeggione und die »Nagelgeige«. Programmierter Höhepunkt der unkonventionellen Konzertprogramme: Die Erstaufführung (!) von Mendelssohns jüngst erworbenem Liederalbum für die von ihm heiß verehrte Sängerin Jenny Lind.
Am ersten Abend stand ein restaurierter Pedalflügel von Ludwig Bösendorfer (1874) im Zentrum des Interesses. Er besitzt neben der normalen Klaviatur einen am Boden liegenden Kasten mit Bass-Saiten, zu bedienen mit einer an ein Orgelpedal gemahnenden Tastatur. Schon Wolfgang Amadeus Mozart hatte einst ein ähnliches Instrument besessen; für das 19. Jahrhundert erinnern drei Opuszahlen von Schumann an das heute verschollene Klangwerkzeug. Die von Anton Holzapfel daraus präsentierten Kostproben, untypisch für Schumanns, ließen einen herb-dunklen Klang erstehen.
Dezent auf der Posaune
Im Brahmssaal wurde diese Rarität umrahmt mit Streicherkammermusik von Antonio Caldara und dem Jahresregenten Johann Joseph Fux (geboren 1660), ausgewogen musiziert von Gunda Hagmüller und Lucia Froihofer (Violine) sowie Florian Wieninger (Violoncello, Violone). Und zu Beginn hatte Bernhard Rainer auf einer Nürnberger Posaune von 1653 überaus dezent die Bassstimme bei Werken venezianischer Komponisten des Frühbarock geblasen.
Gerhard Kramer, Wiener Zeitung (9. April 2010)
»Matthäuspassion« in Graz: Hoch zur Hochstrecke
… In Florian Wieningers dolce risonanza gab es … viel berührende Klangrede.
Hansjörg Spies, Kleine Zeitung (30. März 2009)
MEDEBACH. Ein wahrhaft faszinierendes Klangkunstwerk entführte am Sonntagabend in der Medebacher Pfarrkirche das gebannt lauschende Publikum gleichsam in eine andere Welt. Nachdem der letzte Hall verklungen war, herrschte minutenlang andächtige Stille …
Denn hier war in der vorangegangenen Stunde eine wirkliche Pretiose geistlicher Barockmusik zu pulsierendem Leben erweckt worden: der Kantatenzyklus »Membra Jesu Nostri« von Dietrich Buxtehude. … Diese herausragende Werkvorlage brachten die SängerInnen von »Xenos« (Graz) und die SpezialistInnen für Orginalklang dolce risonanza (Wien), versiert und subtil geführt von Prof. Hans-Jürgen Schnoor (Lübeck), auf kongeniale Weise zu Gehör.
Instrumente und Vokalisten brillierten sowohl im fabelhaft homogenen Ensembleklang als auch solistisch. Der erlesene, dunkle Ton der Streichinstrumente (Violine: Lucia Froihofer und Gunda Hagmüller, Violone: Florian Wieninger) harmonierte perfekt mit den glockenklaren, vibratofreien Vokalstimmen … immer umspielt, kommentiert und im wahrsten Sinne des Wortes »unterstrichen« von den »lieblichen Resonanzen« der Instrumente.
… Der große Aufwand und der Einsatz vieler Hände bei der Realisation hätte nicht besser belohnt werden können als mit dieser glanzvollen Aufführung: dafür wäre J. S. Bach gewiss auch nach Medebach gewandert. (junk)
WAZ (New Media GmbH, 22. August 2007)
Andreas Rauch, Newes Thymiaterium (1651): Rudolf Brunnhuber (voce altus), Gernot Heinrich (voce tenore), Matthias Helm (voce bassis), dolce risonanza/Matthias Krampe, Reformierte Stadtkirche, Vienna, 12.4.2007
... Listened to with modern ears the music of this period can seem to lack variety but this — to me at least — completely unknown composer managed to imbue this 75-minute-work with enough variation to make it not only endurable but engrossing in the main. Greatly contributing to this was the playing of the dolce risonanza and the vocal soloists. …
I doubt I will get an opportunity to hear this music again but if I happen to come across another performance I will certainly give it a second hearing. Visitors to — and of course inhabitants of — Vienna should keep their eyes open. If they are lucky it will be performed again — hopefully with these same forces.
Göran Forsling, www.musicweb-international.com
Süße Klänge nicht nur von Mozart
MILLSTATT. Dass ein Abend mit Kammermusik kurzweilig und amüsant sein kann, bewies das Ensemble dolce risonanza im herrlichen Raum der Stiftskirche Millstatt.
Unter dem Motto »Not only Mozart« präsentierte man Werke des Jahresregenten genauso wie solche seiner Zeitgenossen, vor allem solche der Brüder Haydn. Süßer Klang ging von den alten Instrumenten der Streicher (Gunda Hagmüller, Lucia Froihofer/Violinen, Gertrud Stecher/Viola) aus, wie von Orgel und Positiv (Anton Holzapfel). Gespielt wurde in sanft abgestufter Weise oder energisch lebhaft unter der Leitung des klug moderierenden Florian Wieninger – so etwa Duette, die Mozart einst hilfreich für den kranken Michael Haydn geschrieben hatte, oder ein mit »Nachtstück« benanntes Ständchen von Joseph Haydn.
Vergnügliches, Schönes, Unterhaltsames stand nebeneinander und erfreute die dankbare Zuhörerschaft. (MT)
Kleine Zeitung (23. August 2006)

